Brennen, um andere zu entzünden
30.11.2010„Musikunterricht und Schülerwelt - lassen sich Kinder noch begeistern?“ Diesem Thema widmete die Volkshochschule Erding einen hochkarätig besetzten Workshop, in dem theoretische und praktische Aspekte der Musikdidaktik sowie die Lehrerausbildung im Fokus standen. Fachleute wie Christian Höppner, Wilhelm Lehr, Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer oder Dr. Markus Köhler beleuchteten die aktuelle Situation des Musikunterrichts vor dem Hintergrund eines raschen gesellschaftlichen Wandels. Schnell zeichnete sich ab, dass Kinder und Jugendliche gerne eigenständig musizieren. Aber: „die Liebe der Schüler zum Musikunterricht könnte größer sein“. So brachte Christian Höppner die eigentliche Problematik auf den Punkt: „Nur wer selber brennt, kann andere entzünden."
Im Eröffnungsreferat beleuchtete Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, die Tendenzen des Musikunterrichts auf europäischer und nationaler Ebene mit der Sachkompetenz, die ihm sein Engagement über den Deutschen Musikrat hinaus im Deutschen Kulturrat und in der Deutschen UNESCO-Kommission einbringt. Er verwies auf die Tendenzen, in manchen Bundesländern den eigenständigen Musikunterricht zugunsten einer umfassenden, aber wenig fachspezifischen ästhetischen Erziehung aufzugeben und lobte ausdrücklich die bayerische Schulmusik, auch wenn selbst hier noch viele bildungspolitische Wünsche unerfüllt sind, die der Bayerische Musikrat für die Bayerische Staatsregierung im Bayerischen Musikplan formuliert hat.
Wilhelm Lehr, Vizepräsident des Bayerischen Musikrats, gab einen grundsätzlichen Überblick über die hohen Anforderungen und die Besonderheit einer wirkungsvollen Musikdidaktik. Ausgehend von pädagogischen Aspekten wie dem Theorie-Praxis-Gefälle, den für eine Erziehung begünstigenden und hemmenden Faktoren und dem Einfluss natürlicher und fremder Erzieher im musikalischen Elementarbereich, trug er Thesen zum Prinzip des Musiklernens vor. So sollten jedem Schüler permanente Einstiegschancen zum Musikunterricht geboten werden, jeder Zugang zur Musik sollte zwingend praktisch und erfahrungserschließend erfolgen. Zudem müssten alle musikalischen Parameter relativ gleichzeitig entwickelt werden.
Wolfgang Pfeiffer, Lehrstuhlinhaber für Musikdidaktik an der Universität Erlangen-Nürnberg, hob in seinem Referat die Bedeutung der Musikpraxis im Unterricht hervor und machte deutlich, dass Musiklernen immer von der musikalischen Erfahrung abhängt und mit dem musikalischen Erlebnis einhergeht. Als praktisches Beispiel führte er den Tagungsteilnehmern eine konzentrierte musikalische Aktion vor.
Markus Köhler, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes bayerischer Schulmusiker und selbst noch aktiv im Schuldienst tätig, lenkte den Blick auf das Thema aus Schülersicht und aus der Lehrerperspektive. Seiner Erfahrung nach muss die Note im Musikunterricht einen vergleichbaren Stellenwert zu anderen Fächern erhalten, um als Fach entsprechend anerkannt und ernst genommen zu werden.
Peter Pfaff, Bildungsreferent des VBSM, stellte abschließend die äußerst erfolgreichen Leistungen der Musikschulen dar und skizzierte das Musiklernen an Musikschulen im Kontext von Entwicklungspsychologie und Bildungstheorien. Er unterstrich die Bedeutung der Kooperationen von außerschulischen Einrichtungen mit allgemeinbildenden Schulen zum Zweck der musikalischen Bildung und forderte mit Blick auf die zukünftige Bildungslandschaft größere Gemeinsamkeiten der Bildungseinrichtungen und bessere Abstimmungen bei Zielen und Inhalten.
In der anschließenden Diskussion meldeten sich neben den Experten auch Leiter der Erdinger Musikschule, Lehrkräfte aller Schularten, sowie Elternvertreter und Schülersprecher zu Wort.
Großes Lob gebührt dem Organisator Manfred Muster. Er hat eine Veranstaltung in die Volkshochschule Erding gebracht, die viele Themen des musikalischen Lernens ansprach, die nicht alle Fragen beantworten konnte, die aber Blitzlichter setzte, um Wesentliches zu erhellen.